Über Villach & Wien nach Ungarn #1

Daumen raus, es geht nach Rumänien

Wir starten mal wieder vor unserer Haustür im schönen Engelsberg. Unseren VW-Caddy lassen wir zu Hause stehen und laufen zu Fuß los. Die Sonne steht hoch am Himmel und wir strecken motiviert unsere Daumen raus. Per Anhalter wollen wir für einen Monat durch Rumänien reisen. »Wieso gerade Rumänien?«, wurden wir vor der Abreise schon öfters gefragt. Während unserer Reisen haben wir schon viele nette Rumänen getroffen und wissen fast nichts über ihr Land. In unserem Bekanntenkreis haben wir nachgefragt, aber auch da hatten die Meisten keinerlei Vorstellung von Rumänien, mit der Ausnahme von Dracula. Unsere erste Recherche hat ergeben: Es ist eins der sichersten Länder von Europa, man darf überall zelten und Berge zum Gleitschirmfliegen gibt es auch. Also machen wir uns auf den Weg in ein, für uns noch unbekanntes, Land. Wir setzen uns ein Tagesbudget von fünf Euro, packen unsere Gleitschirm- und Campingausrüstung und starten unsere Reise.

ION LIGHT & DOUBLESKIN

Erster Flug am Ossiacher See

Nur drei Autos brauchen wir bis wir in Villach in Österreich ankommen. Das Angebot bis nach Kroatien mitzufahren, lehnen wir dankend ab. »Wir wollen auf jeden Fall nach Rumänien!«, erklärt Flo dem Fahrer. Am Ossiacher See möchten wir morgen einen Flugtag einlegen. Am Landeplatz der Tandempiloten können wir ausnahmsweise unser Zelt aufstellen. Bis zum Sonnenuntergang nutzen wir den Talwind zum Groundhandling. Mit dem Doubleskin von NOVA, den ich für diese Reise dabei habe, macht es besonders viel Spaß.

Nur mit unseren Gleitschirmen machen wir uns auf den Weg zum unteren Gerlitzen Startplatz. Die Asphaltstraße schlängelt sich steil den Berg rauf und reflektiert die Hitze. Wir haben Glück und werden den restlichen Weg von einer einheimischen Rentnerin mitgenommen. Sie erzählt uns, dass sie früher täglich zur Arbeit runterfahren musste, egal bei welchem Wetter. »Besonders schlimm ist es bei Glatteis, denn die Straße hat, wie ihr seht, größtenteils keine Leitplanken,« erklärt sie uns.

Der Wind kommt schön von vorne und wir starten gemütlich Richtung Ossiacher See. Flo schafft zwar den Einstieg in die Thermik, kann sich aber auch nur eine Zeitlang über dem Startplatz halten.

Startplatz Gerlitzen

Wiener Überraschung

Am Landeplatz holen wir unser restliches Gepäck und stellen uns mit unserem ROMANIA-Schild an die Straße. Es ist heiß und weit und breit kein Schatten, aber nach einiger Zeit bleibt ein Toyota stehen. Adam kommt gerade selbst vom Fliegen und ist nun auf dem Heimweg nach Wien. Eigentlich wollten wir hinter Graz über die Grenze nach Ungarn. Doch bei der netten Gesellschaft und seinem Angebot, bei ihm zu übernachten, ändern wir kurzerhand unseren Plan. Kurz vor Wien schlägt er uns vor, einen Sonnenuntergangsflug an der Hohen Wand zu machen. Wir sind sofort begeistert und machen uns schnell startbereit. Das Gelände fällt wie bei einer Klippe steil ab. Man kann nah an die Felsen heran fliegen und es wirkt sofort alpin.

Nach einer erholten Nacht und einem gemütlichen Frühstück verabschieden wir uns von Adam und laufen zu Fuß einmal durch Wien. So kommen wir am Schloss Belvedere, dem Schlossgarten und dem Botanischen Garten vorbei. An einer Straße stadtauswärts, warten wir über 2,5 Stunden, bis endlich ein Auto stehen bleibt. Reinhard fährt uns zu einer geeigneten Raststätte. Unterwegs bekommen wir noch einen Crashkurs in Rumänisch. Er selbst fährt gerne nach Rumänien in den Urlaub und ist begeistert von dem Land und Leuten. »La revedere und Ciao«, ruft er uns hinterher, als wir aussteigen.

Couchsurfing bei Adam
Schloss Belvedere
Bunte Ausstellung

Abgefahren

Kurz darauf nimmt uns Kirian mit. Sie ist alleine unterwegs und muss nach Budapest fahren. Ihre Wurzeln hat sie in den Niederlanden, ist in den USA aufgewachsen und lebt nun in der Toskana. So gibt es auf dem Weg viel zu erzählen. Da sie heute schon eine weite Strecke hinter sich hat, übernimmt Flo das Steuer und sie kann sich etwas ausruhen, bis wir kurz vor Budapest an einer Raststätte aussteigen. Die Sonne steht schon tief und es sind nur noch wenige Autos unterwegs. So nutzen wir das restliche Tageslicht um einen Zeltplatz für die Nacht zu finden.

Auf der Autobahn sehen wir viele Autohändler aus Rumänien oder Bulgarien. Von Einem werden wir ein Stück mitgenommen. Der Fahrer spricht zwar kein Englisch, aber er lächelt und reicht uns zwei Coladosen. Als nächstes sitzen wir bei John im Auto, aus dem Radio dröhnt Dieter Bohlen, seine Lieblingsmusik und er erklärt uns: »Ich war schon über 700 Mal in Deutschland um ein Auto abzuholen.«

Flo am Steuer mit Kirian
Kurz vor der Grenze mit John

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