Salar de Uyuni #13

Grenzübergang auf 4300 Metern

Um fünf Uhr werden wir am Hostel abgeholt, es ist noch stockdunkel. Als wir bei Sonnenaufgang die Grenze erreichen, gibt es für alle erst einmal Frühstück. In über 4.000 Metern Höhe ist der Luftdruck so niedrig, dass meine sonst so stabile Plastikflasche nach einem harmlosen Sturz einfach zerbricht. Die Luft ist extrem kalt und trocken, und das Atmen tut in der Nase richtig weh.

Es steht wieder ein Grenzübergang bevor, wieder ein neues Land, eine andere Währung und eine andere Kultur. Doch wir fühlen uns bereit. Auch wenn es aktuell einige Schwierigkeiten in Bolivien gibt, Streiks und Straßenblockaden, die das Weiterreisen erschweren sollen, haben wir beschlossen, trotzdem jetzt weiterzureisen, bevor es in der Uyuni-Salzwüste zu kalt wird. Außerdem haben wir Zeit und können die Situation notfalls aussitzen.

Unser Fahrer lenkt den Jeep souverän durch die karge Landschaft. Er spricht kein Englisch. Unsere Gruppe besteht aus zwei Franzosen, einer Amerikanerin, einer Australierin und uns. Wir sind alle in einem ähnlichen Alter und schnell entsteht eine angenehme Dynamik. Darüber sind wir froh, denn drei Tage in einem Jeep können sonst ziemlich lang werden.

Es wird viel geredet und sich ausgetauscht, aber jeder kann auch die Ruhe genießen, während die spektakuläre Landschaft an uns vorbeizieht. Mit Cocablättern in der Wange lässt sich die Höhe erstaunlich gut aushalten. Bald machen die von uns angebotenen Blätter die Runde, und dankbar stecken sie sich auch unsere Mitreisenden immer wieder in die Backen.

Beste Gruppe – Sophie, Samia, Flo, Jamila, Case und Lisa
Die Erde blubbert und zischt, überall steigen Dampfwolken auf. – Geysir Sol de Mañana
Baden auf 4000 Metern

Tag 1: Farbenmeer im Altiplano

Die Laguna Blanca ist zugefroren und die Flamingos sind bereits weitergezogen. Also geht es direkt weiter zu den Termas de Polques. Als wir dort ankommen, sind schon einige andere Touren vor Ort. Wir haben recherchiert, dass es noch eine weitere heiße Quelle gibt, und fragen unseren Fahrer, ob er uns zur Chalviri fahren kann. Er überlegt nicht lange und setzt uns an dem abgelegenen Becken ab. Hier sind wir erst einmal ganz alleine. Am anderen Ufer können wir sogar einen Fuchs beobachten.

Nach dem Mittagessen geht es weiter. Immer wieder legen wir kurze Stopps ein, bis wir schließlich die Laguna Colorada erreichen. Noch nie habe ich so viele Flamingos auf einmal gesehen. Und noch nie so viele Farben, die ineinander übergehen. Ich bin überwältigt und könnte stundenlang den Lamas und Vicuñas dabei zuschauen, wie sie am Ufer der Laguna das grüne Gras fressen. Doch leider bleibt uns nicht viel Zeit und wir müssen zurück zum Auto.

Ab dort liegen noch einmal drei Stunden Fahrt über holprige Pisten vor uns, bis wir schließlich Villa Mar erreichen, wo wir die kommende Nacht verbringen werden. Die Landschaft verändert sich ständig: Wüste mit vereinzelten Grasbüscheln, schneebedeckte Berge am Horizont, kleine Canyons und weitere Lagunen ziehen an uns vorbei. Ich kann mich an dieser Weite einfach nicht sattsehen. Langsam geht die Sonne unter und die Wolken färben sich rosa. Ich bin unglaublich dankbar, genau jetzt hier zu sein.

Tag 2: Hasenmäuse und Riesenkakteen

Immer wieder erblicken wir in der Ferne kleine und große Windhosen, die den Staub meterhoch in die Luft wirbeln.

Wir machen mehrere Stopps an beeindruckenden Felsformationen und beobachten Viscachas, auch Hasenmäuse genannt. Beeindruckt schauen wir zu, wie flink sie die Felsen hinaufspringen. Sie erinnern uns ein wenig an die Rock-Wallabies in Australien. Flo motiviert die Mädels, auf einen kamelförmigen Felsen zu klettern, und alle steigen danach stolz und begeistert wieder ins Auto.

Am Nachmittag erreichen wir den Kaktusberg. Die Atacama-Riesenkakteen sind mehrere hundert Jahre alt. Einige der größten Exemplare haben sogar ein Alter von bis zu 1.000 Jahren erreicht. Die meisten ausgewachsenen Pflanzen sind zwischen fünf und acht Meter hoch. Es ist kaum vorstellbar, wie viele Generationen von Menschen diese stummen Riesen schon überlebt haben. 

Der Cañón de la Anaconda macht seinem Namen alle Ehre.
Die Nacht verbringen wir in einem Salzhotel. Hier ist fast alles aus Salz gebaut: die Wände, die Tische und sogar unser Bett.

Tag 3: Auf dem größten Spiegel der Welt

Um vier Uhr beladen wir das Auto und machen uns auf den Weg. Eineinhalb Stunden fahren wir mit 80 km/h durch die Dunkelheit über die Salzfläche. Es fühlt sich an, als würden wir schweben. Immer wieder schaltet unser Fahrer die Scheinwerfer aus und ich frage mich, weshalb. Zwar gibt es hier keine Bäume, dafür aber sogenannte Salzaugen. Das sind tiefe, wassergefüllte Löcher in der Kruste. Also gar nicht so ungefährlich.

Mitten auf der Salzfläche leihen wir uns die bestellten Gummistiefel aus und fahren weiter zum noch überfluteten Teil der Salzwüste. Hier verbringen wir den Sonnenaufgang staunend und fotografierend. Während unser Fahrer im Auto liegt und schläft, wollen wir keinen Moment verpassen und können uns an den Spiegelungen kaum sattsehen. Die Füße sind eiskalt und keiner von uns spürt noch seine Zehen, als wir wieder ins Auto steigen.

In Colchani halten wir für 45 Minuten an einer Straße mit vielen Verkaufsständen. Wir sind etwas genervt und haben keine Lust, Souvenirs zu kaufen. Deshalb laufen wir zum Sportplatz und schauen den Kindern beim Unterricht zu. Neugierig winken sie uns zu und schon machen wir beim Sportunterricht mit. (Jamila)

Wir besuchen auch den trockenen Teil der Salzwüste und machen die typischen Fotos, um die wohl niemand herumkommt, der eine Tour bucht. Aber uns macht es Spaß.

Weitere Eindrücke

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