Dünne Luft, schwere Gedanken und ein neuer Plan
In der Dunkelheit müssen alle aus dem Bus aussteigen. Eine Polizeikontrolle. Mitten auf der Straße haben sie einen Klapptisch aufgebaut und nacheinander müssen wir unsere Pässe zeigen und unser Gepäck öffnen. Es ist kalt und ich fange an zu schlottern. Wir befinden uns auf 3700 Metern Höhe. Die Polizisten sind vermummt und man sieht nur ihre Augen.
Die Luft ist dünn!!! Im wahrsten Sinne des Wortes. Diese Redewendung bekommt für mich gerade eine ganz neue Bedeutung. Ich habe einen ziemlichen Durchhänger und sehe unseren bisherigen Reiseplan plötzlich kritischer. Ich habe ein dringendes Bedürfnis nach mehr Ruhe, mehr Natur, weniger Busfahren und weniger langen Distanzen. Einfach mal länger an einem Ort bleiben. Dieses Gefühl begleitet mich schon eine Weile. Aber jetzt, wo wir situationsbedingt Bolivien verlassen haben, liegt wieder eine lange Strecke vor uns. 1400 Kilometer bis nach Peru. Zurück nach Chile, einmal durch die Atacama-Wüste und dann weiter Richtung Norden. Wenn wir von dort aus wie geplant weiter per Anhalter durch Mittelamerika, Mexiko und die USA reisen würden, würde es mindestens noch ein Jahr dauern bis wir Kanada erreichen.
Nach langem Hin und Her treffen wir eine Entscheidung: Wir ändern unseren bisherigen Plan und werden diesen Sommer in Kanada verbringen. (Jamila)





Durch die Höhe nach Peru
In den Kurven rollt mein Rucksack auf der Ladefläche von einer Seite zur anderen. Kurzzeitig habe ich wirklich Angst, dass er vom Jeep fällt. Unterwegs halten wir an einer Bohrstation. »Hier suchen sie nach Lithium«, erklärt uns der Fahrer. Die Männer lassen uns auf 4000 Metern Höhe raus und meinen, dass sie in zwei Stunden weiter in unsere Richtung fahren würden. »Ach, bis dahin sind wir schon weg«, meint Flo.
Die Landschaft ist wunderschön, aber trotzdem sind wir nicht besonders begeistert von der Vorstellung, hier zu übernachten. Nachts wird es auf dieser Höhe unglaublich kalt. Als die Männer tatsächlich 2,5 Stunden später wiederkommen und wir immer noch am gleichen Platz stehen, sind wir heilfroh, dass sie uns bis zur chilenischen Grenze mitnehmen.
Kurz vor Sonnenuntergang nimmt uns das letzte Auto mit. Zwei Chinesen, die gerade einen Roadtrip machen und an der Grenze wieder umdrehen. Auf dem Armaturenbrett steht ein kleines chinesisches Winkekätzchen. Alle paar Meter halten sie an, um Fotos zu machen.
Da wir abends noch vier Stunden in Calama warten müssen, bis unser Nachtbus startet und in der Stadt einige seltsame Gestalten unterwegs sind, fragen wir in einem Hotel, ob wir solange in der Lounge warten dürfen. »Kein Problem«, sagt der Manager. Zwei Stunden später stellt er uns zwei Burger hin. »Heute ist Burgertag.« Als wir ihm erklären, dass wir Vegetarier sind, entschuldigt er sich vielmals. Für uns zählt ohnehin die Geste. Zwanzig Minuten später kommt er grinsend mit zwei vegetarischen Burgern zurück. Wir waren schon dankbar, überhaupt drinnen warten zu dürfen, damit hätten wir nun wirklich nicht gerechnet. (Jamila)
























3 Gedanken zu „Von Tilcara Richtung Peru #15“
Liebe Jamila, lieber Flo,
Eure Reiseberichte verfolge ich sehr interessiert und gespannt. Was für Landschaften, was für Begegnungen !!
Ist sicher auch anstrengend.
Gut, dass Ihr auf euch acht gebt und auf eure Grenzen achtet.
Ich wünsche Euch weiterhin gute Begegnungen und dass Ihr immer gut beschützt seid !
Solltet Ihr mal wieder nach Deutschland zurückkehren, so gibt es bei mir im Dreiländereck immer eine Übernachtungsmöglichkeit für Euch. Meldet Euch dann gerne.
Es grüßt Euch herzlich, Andrea aus Lörrach
Liebe Andrea, vielen Dank für die Einladung 🙂 Schön, dass du unsere Reise weiterhin verfolgst!
Liebe Janina, lieber Flo!
Es ist so schön, wieder von euch zu lesen. Ich denke immer gerne an unsere Begegnung in Calama zurück. Mittlerweile bin ich wieder zu Hause in Österreich. Das Reisen macht so reich! Ich werde mich sicher auch wieder auf den Weg machen. Jetzt genieße ich die Zeit mit meiner Familie und meinen Freunden. Gehe viel wandern. Ich wohne ja in einer wunderschönen Gegend. Ihr seid natürlich herzlich willkommen. Irgendwann, wenn ihr wieder in Europa seid
Ich wünsche euch eine unbeschwerte und eindrucksvolle Weiterreise.
Ganz liebe Grüße von Melitta