Besser als ein Hostel
Die Fahrerin deutet uns an, dass wir noch an einer Tankstelle halten werden. Plötzlich verstehen wir auch die Handzeichen vieler Fahrer, die in den letzten zwei Stunden vorbeigefahren sind. Einige zeigten nach links, andere machten kreisende Bewegungen. Wir waren uns sicher gewesen, dass es nur diese eine Straße gibt, doch nun wird klar: Viele wollten lediglich zu der kleinen Container-Tankstelle am Ortsausgang.
Nach 90 Kilometern setzt sie uns an einer Kreuzung ab. Falls uns niemand mitnimmt, gäbe es dort eine nette Bushaltestelle, sogar mit Internet, meint sie. Kaum betreten wir die kleine Hütte, steht für uns fest: Hier bleiben wir über Nacht. Der Ort ist einfach zu einladend. Kurz darauf gesellt sich Conrad, ein polnischer Radreisender, zu uns. Immer wieder halten Autos in der Nähe der Hütte, um das Internet zu nutzen. Da wir nur noch wenig Wasser dabei haben, fragt Flo eine Fahrerin danach. Sie erschrickt kurz, im ersten Moment glaubt sie, der Fisch spreche zu ihr. Stephanie, eine Amerikanerin, hat nicht nur Wasser dabei, sondern auch Bier und Schlafsachen. Spontan entscheidet auch sie, die Nacht hier zu verbringen. So wird es ein gemütlicher Abend in netter Runde.




Ein langer Weg Richtung Norden
Am nächsten Morgen stellen wir uns wieder an die Straße. Hier verkehren vor allem Busse zwischen El Chaltén und El Calafate, doch auf die Straße, die wir nehmen wollen, fährt kaum jemand. Nach drei Stunden hält ein Transporter und erzählt uns, dass die Straße später gesperrt sei. Trotzdem beschließen wir, es weiter zu versuchen, schließlich sind bereits ein paar Fahrzeuge in diese Richtung gefahren und nicht zurückgekommen.
Nach dreieinhalb Stunden (unser bisheriger Rekord in Argentinien) hält schließlich ein altes Wohnmobil und ein Auto mit Dachzelt und nimmt uns sowie eine weitere russische Anhalterin mit. Mexikaner, die seit zehn Monaten gemeinsam unterwegs sind.
Tatsächlich stoßen wir im nächsten Dorf auf eine Straßensperre. Die Polizei erklärt uns einen Umweg, 140 Kilometer zusätzlich. Wir kommen nur langsam voran, denn schneller als 80 km/h fährt Juanita nicht, und die Straßen sind teilweise in sehr schlechtem Zustand. Ewige Schotterpisten oder Asphalt mit Schlaglöchern. Als es dunkel wird, suchen wir gemeinsam einen Stellplatz und schlagen unser Zelt neben dem Wohnmobil auf. Am nächsten Morgen steht Juanita um zehn Uhr mit unserem Pappschild »Bariloche« in der offenen Tür und ruft zu uns herüber: »Vamos, Bariloche!«
So geht es drei Tage lang weiter. Hunderte Guanacos beobachten wir am Straßenrand, doch sonst begleitet uns nur die endlose Weite der trockenen Steppe. Die Fahrt von über 1300 Kilometer ist anstrengend, und die eintönige Landschaft und das durchgehende Scheppern macht mich müde. Tag für Tag nur Steppe, das größte Highlight sind Hügel am Horizont. Immer wieder erinnere ich mich selbst daran: Der Weg ist das Ziel. Ich bin sehr dankbar, mit Juanita unterwegs sein zu dürfen. Eine beeindruckend starke Frau. Mit ihren 63 Jahren, erzählt sie uns, habe sie das letzte Viertel ihres Lebens begonnen und möchte es genießen. Ihr Sohn habe anfangs große Sorge gehabt, weil er die Reise für zu gefährlich hielt. Aber sie lacht nur.
Am vierten Tag erreichen wir El Bolsón. Dort finden wir einen traumhaften Ort zum Erholen und verbringen zwei Wochen im Hostel Earthship. (Jamila)

























Ein Gedanke zu „Weg nach El Bolsón #8“
Sooo schön!!! Weiterhin Euch eine wundervolle Reise, liebe Grüße, Heidi