Mit dem LKW in den Amazonas
Bevor wir Peru verlassen, möchten wir unbedingt noch den Amazonas-Regenwald erleben. Da uns für den Norden des Landes die Zeit fehlt, fahren wir stattdessen nach Puerto Maldonado. Weil dorthin nur Nachtbusse verkehren und wir die Landschaft bei Tag genießen möchten, stellen wir uns zum Hitchhiken an die Straße.
Schon bald hält ein großer LKW. Miguel ist mit seiner Frau Fredis und ihrer Tochter unterwegs. Gemeinsam quetschen wir uns auf den Beifahrersitz, jeder hat gefühlt nur eine Pobacke auf dem Sitz, und zwischendurch wechseln wir uns ab. Fredis sitzt auf einem Eimer in der Mitte, die Tochter schläft hinten auf der Liege. Unter unserem Sitz entdecken wir eine Machete. Wofür sie die wohl brauchen?
Kaum sind wir losgefahren, reichen sie uns eine warme Kartoffel mit Käse und schenken uns Chicha de Jora ein – ein traditionelles, leicht alkoholisches Getränk aus fermentiertem Mais. Als ich erzähle, dass ich unbedingt einmal ein Faultier in freier Wildbahn sehen möchte, lacht Miguel nur. »Kein Problem«, sagt er. »Ich hänge mich an dich dran und dann machen wir ein Foto.« (Jamila)






Frühstück aus der Plastiktüte
Mit gerade einmal 20 bis 30 km/h kämpfen wir uns die Serpentinen hinauf. Am höchsten Punkt angekommen, geht es nur noch bergab. Auf den rund 400 Kilometern überwinden wir insgesamt etwa 10.400 Höhenmeter bergab und 6.300 Höhenmeter bergauf, Dimensionen, die wir aus Europa nicht kennen.
Am Abend erklärt Miguel, dass er müde sei und erst am nächsten Morgen um sieben Uhr weiterfahren möchte. Auch wir freuen uns darauf, uns im Zelt ausstrecken zu können, und schlafen schnell ein. Die ersten Stunden sind ruhig. Dann beginnt ein Hund zu bellen, und um fünf Uhr morgens springt plötzlich der Motor an. Die Scheinwerfer gehen an. »Wollten wir nicht erst um sieben weiterfahren?«, frage ich Flo. Da kommt Miguel schon zum Zelt und sagt nur: »¡Vamos!« – Los geht’s.
Keine zehn Minuten später sitzen wir wieder im LKW. Als wir an ein paar Straßenständen vorbeifahren, ruft Miguel aus dem Fenster: »¡Quinoa?« Wir steigen aus und holen Frühstück. Wenig später sitzen wir alle mit einem Sandwich in der Hand und einer Plastiktüte voller Quinoa- oder Bananensaft wieder im LKW. (Jamila)



Tambopata-Nationalreservat
Um wirklich in den Dschungel zu gelangen, buchen wir eine Tour. Es ist eine willkommene Abwechslung, sich einmal nicht um Unterkunft, Transport, Essen und Aktivitäten kümmern zu müssen.
»Hola«, begrüßt uns Pablo, einer der Aras, die hier auf der Lodge leben. Sie wurden aus der Stadt gerettet, sind an Menschen gewöhnt und können sich heute frei auf dem Gelände bewegen. (Jamila)














Weitere Eindrücke

Faszinierendes Nachtleben im Amazonas
Am nächsten Morgen sitzen wir schon um fünf Uhr im Boot und fahren den Tambopata-Fluss hinauf. Licht dürfen wir keines machen, damit der Bootsführer im flachen Fluss nicht abgelenkt wird und besser navigieren kann. Plötzlich spüre ich etwas auf meinem Knie, kann im Dunkeln aber nicht erkennen, was es ist. Ich stoße meinen Sitznachbarn an. Im nächsten Moment springt der riesige Frosch auf die Schulter unseres Gegenübers.
Besonders beeindruckt sind wir vom nächtlichen Leben im Dschungel. Schon nach wenigen Metern entdecken wir eine riesige rosafarbene Vogelspinne, unzählige weitere Spinnen und schließlich sogar eine Schlange in den Bäumen. Selbst unser Guide Jonathan freut sich riesig über diese seltene Sichtung. (Jamila)





Sandoval See
In der Ferne hören wir ein lautes Brüllen, das gar nicht mehr aufhören will. »Brüllaffen«, erklärt unser Guide. Sie kündigen ein Gewitter an. Er rudert uns über den Sandoval-See, einen ehemaligen Flussarm des Río Madre de Dios. Plötzlich fängt es so heftig an zu regnen, dass wir innerhalb weniger Minuten bis auf die Unterhose nass sind. Doch bei den warmen Temperaturen nehmen wir es mit Humor. »Das gehört im Regenwald einfach dazu«, meint Flo. Unser erster richtiger Regen seit zwei Monaten. (Jamila)






















































