San Pedro de Atacama #12

Ein Land der endlosen Distanzen

Der Vollmond leuchtet über Santiago, als wir mit dem Bus weiter Richtung Norden fahren. Wir sind schon den ganzen Tag mit Auto, Zug und Bus unterwegs, aber zum Glück hat bisher alles geklappt. Für die 1.500 Kilometer haben wir einen Nachtbus gebucht. Die Sitze sind breite Sessel, deren Rückenlehne sich weit nach hinten kippen lässt. Ich schlafe ein, habe einen unruhigen Schlaf und verändere immer wieder meine Sitzposition. Doch so schlecht scheint mein Schlaf nicht gewesen zu sein. Als ich aufwache, ist es bereits halb elf. Ich schiebe die Vorhänge zur Seite und sehe eine komplett andere Welt an uns vorbeiziehen: Wüste, weit und breit nichts als Sand.

Stunden später erreichen wir Antofagasta, eine Großstadt am Meer. Wahrscheinlich existiert sie überhaupt nur wegen der Kupfermine. Hier steigen die meisten Leute aus, viele von ihnen Arbeiter.

Die Gassen von San Pedro

Die Höhe macht sich bemerkbar

Nach insgesamt 22 Stunden erreichen wir schließlich San Pedro de Atacama. Ein Ziel, dass schon lange ein Traum von uns war. Dort angekommen, verbringen Flo und ich zwei Tage getrennt in unterschiedlichen Hostels. Das haben wir uns für diese Reise vorgenommen – mindestens einmal im Monat. Sonst passiert es schnell, dass man zu sehr aufeinanderhängt und ich meinen nötigen Freiraum nicht bekomme, weil die äußeren Umstände des Reisealltags das oft nicht zulassen.

Die ersten Tage habe ich leichte Kopfschmerzen, kann schlecht schlafen, obwohl ich von der Anreise noch müde bin, und fühle mich schlapp. Es ist die Höhe, die ich spüre, obwohl San Pedro de Atacama gerade einmal auf 2.400 Metern liegt. Hinzu kommt die unglaublich trockene Luft. Nicht nur einmal wache ich nachts auf und habe das Bedürfnis, etwas zu trinken. Dabei habe ich Pias Worte im Kopf: »Immer schön Coca-Tee trinken, das hilft sehr gut vorbeugend gegen die Höhenkrankheit.«

Kleine Wanderung »Quebrada del Diablo« mit Fabian & Patrick
Ausflug ins Valle de la Luna (Mondtal)
Föhnlinsen (Lenticularis-Wolken) über den Berggipfeln von San Pedro

Dem Himmel ein Stück näher

Im Hostel lerne ich Fabian und Patrick, zwei Studenten aus Aachen, kennen und erkunde gemeinsam mit ihnen und Jana die Gegend. Zwei Tage später stößt auch Flo dazu und wir unternehmen einen Roadtrip zu den Piedras Rojas. Die spektakuläre Naturlandschaft liegt auf etwa 4.200 Metern Höhe. Auf der Fahrt dorthin probieren wir zum ersten Mal Cocablätter. Wir kauen darauf herum, formen eine kleine Wurst und schieben diese unter die rechte Oberlippe. Zum Glück sind die Blätter gesüßt und schmecken angenehm nach Maracuja.

Auch wenn wir immer wieder nur ein paar Meter laufen, ist es anstrengend, und der eiskalte Wind macht es nicht leichter. Auf dem Rückweg ist es bereits so spät, dass wir kurzerhand beschließen, noch den Sonnenuntergang und später den Sternenhimmel hier draußen in der Atacamawüste anzuschauen.

Jana, Jamila, Nils und Fabian
Wer erkennt die Vicuñas?
Unterwegs sehen wir viele Vicuñas, die auch gerne ganz plötzlich auf die Straße springen.

Zeit zum Durchatmen

Wir verbringen noch eine weitere Woche in San Pedro, genießen es, zumindest tagsüber T-Shirt und kurze Hosen tragen zu können, suchen uns ein Hostel mit Hängematten und erholen uns vom Reisen. Wir merken, dass uns die letzten Monate nicht spurlos vorbeigegangen sind. Die vielen Eindrücke, die langen Distanzen und das ständige Unterwegssein zehren an uns. Trotzdem wollen wir nicht all zu lange warten, um die Uyuni-Tour nach Bolivien zu machen. Da es hier deutlich günstiger ist, mit Dollar zu bezahlen, wechseln wir unser Bargeld verschiedener Währungen in US-Dollar und buchen eine Tour. Auf eigene Faust wäre das schwierig, denn kaum andere Fahrzeuge sind unterwegs, nur ein paar abenteurlustige Radfahrer.

Während wir mit einem Volunteer die kostenlose Mojito Night genießen, spüren wir nachts ein leichtes Erdbeben. Eine Woche später ist es deutlich stärker. Wir sehen Bilder von Supermärkten, in denen alles aus den Regalen gefallen ist. Stärke 7.

Elena kommt vom Schliersee und reist seit einigen Monaten alleine durch Südamerika. Sie nimmt uns per Anhalter mit und gemeinsam verbringen wir den restlichen Tag und lauschen gespannt ihren Geschichten.

Weitere Eindrücke

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